Mittwoch, 30.11.2022 19:18 Uhr

"Auf die Barrikaden!" Paulskirche und Revolution 1848/49

Verantwortlicher Autor: European News Agency Frankfurt, 16.09.2022, 16:46 Uhr
Presse-Ressort von: Michael Scheuermann Bericht 2416x gelesen

Frankfurt [European News Agency] „Auf die Barrikaden! Paulskirchenparlament und Revolution 1848/49 in Frankfurt“ – so lautet die neue Ausstellung des Frankfurter Instituts für Stadtgeschichte. Die Schau beleuchtet zum einen die Rolle der in der Paulskirche tagenden Nationalversammlung. Zum anderen setzt sie die Entwicklung revolutionärer Ereignisse und Debatten im Stadtstaat Frankfurt zwischen 1848 und 1850 frei.

Eingebettet wird die Darstellung der Revolutionsjahre in Stationen zum Vormärz und zu den Nachwirkungen der Revolution. Während die Geschichte der Frankfurter Nationalversammlung bereits aus vielen Blickwinkeln beleuchtet worden ist, stehen die Ereignisse im damaligen Frankfurt oft im Schatten der Paulskirche und werden leicht übersehen – genau hier setzt die Spezifik der Ausstellung an. Sie stellt die Frankfurter Protagonisten, Schauplätze, Entwicklungen, Ereignisse und die Verfassungsdebatte heraus und ordnet sie in den gesamtdeutschen Kontext der Revolution ein, in deren Mittelpunkt der Septemberaufstand 1848 steht. zusammenkamen, um über eine freiheitliche Verfassung und die Bildung eines deutschen Nationalstaates zu beraten.

In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts waren die europäische, aber auch eine deutsche Öffentlichkeit noch im Entstehen begriffen – und Frankfurt war in dieser Entwicklung mitten im Geschehen. Konkret macht die Schau erstmals sichtbar, welche politischen Auswirkungen die deutsche Revolution als Teil einer europäischen Entwicklung auch in der Reichsstadt Frankfurt hatte. Die Mainmetropole bot 1848/49 nicht nur die Kulisse für die Verfassungsdebatten im Paulskirchenrund, sondern erlebte 1848 Petitionen seiner Bürger und blutige Auseinandersetzungen sowie bis 1850 eine eigene intensive Verfassungsdiskussion für die Reichsstadt. Diese erlebte auch die blutige Seite der Revolution - mit Barrikadenkämpfen wie aus Wien und Berlin bekannt.

In Frankfurt wurde an gut 50 Barrikaden in der Innenstadt erbittert gekämpft. Mehr als 50 Soldaten und Aufständische kamen ums Leben. Angesichts dieser Entwicklung sahen sich die Parlamentarier Truppen genötigt reaktionäre Herrscher anzufordern, um sich gegen den Umsturzversuch der außerparlamentarischen Opposition zu schützen. So wurde der Aufstand zu einem Wendepunkt der Revolution. Er machte den Paulskirchenabgeordneten ihre eigene Machtlosigkeit bewusst. In diesem Bewusstsein verabschiedeten die Abgeordneten der Nationalversammlung im Winter 1848/49 die „Grundrechte des deutschen Volkes“ und die „Reichsverfassung“.Als der preußische König Friedrich Wilhelm IV. im April 1849 die Kaiserwürde ablehnte, scheiterte die Revolution.

Diese „gescheiterte“ Revolution wirkte jedoch vielfältig nach - manche Entscheidungen wurden später in die Tat umgesetzt. So hatte sich mit der Frankfurter Nationalversammlung die Idee konkretisiert, einen Nationalstaat unter preußischer Führung und ohne Österreich zu schaffen. Diese kleindeutsche Lösung fand schließlich im Kaiserreich von 1871 ihre Realisierung. Den nachhaltigsten Einfluss der Revolution hatte der Grundrechtskatalog. Zwar fand er im Kaiserreich nur partiell Anwendung, diente aber als Vorbild für die Verfassungen von Weimar 1919 und Bonn 1949. So begann die Demokratie auf dem Verfassungswerk der Frankfurter Nationalversammlung Fuß zu fassen.

Angesichts der zur Vorbereitung der Nationalversammlung nötigen Maßnahmen stand die städtische Reformdebatte zunächst nicht auf der Tagesordnung und nahm erst im Herbst 1848 Fahrt auf. Im Gegensatz zu anderen Staaten, in denen sich die Verfassungsdiskussion abflachte, gipfelten 1849 die Frankfurter Verhandlungen im Vorschlag für eine demokratische Republik. Die Ausstellung „Auf die Barrikaden!- Paulskirchenparlament und Revolution 1848/49 in Frankfurt“ findet von 13.9.2022 bis 18.9.2023 im Dormitorium des Karmeliterklosters statt. Der Eintritt ist frei. Zur Ausstellung ist im Henrich-Verlag eine Begleitpublikation mit 88 Seiten und mehr als 90 Abbildungen erschienen (ISBN 978-3-96320-063-2).

Im Jubiläumsjahr 2023 stehen die Lebensgeschichten von emigrierten Revolutionären, der Kampf um die Pressefreiheit, die Ereignisse der Revolution 1848/49 im Rhein-Main-Gebiet, die Karikaturenvielfalt 1848/49, das Frankfurter Stadtbild, die politische Beteiligung von Frauen, die Rolle von Freimaurern und die Diskussion um die Reform der Frankfurter Stadtverfassung im Blickpunkt.

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