Mittwoch, 30.11.2022 18:11 Uhr

Der Domherr als Gourmet – Mozarts Credo-Messe (RMF)

Verantwortlicher Autor: Michael Scheuermann Wiesbaden, 19.07.2022, 12:14 Uhr
Presse-Ressort von: Michael Scheuermann Bericht 5423x gelesen

Wiesbaden [ENA] Die Messe in C-Dur, KV 257, allgemein „Credo-Messe“ genannt, ist eine Messe von Wolfgang Amadeus Mozart für Solisten, vierstimmigen Chor, Orchester und Orgel. Der Windsbacher Knabenchor singt diese Messe am 31.07.2022 um 19 Uhr im Rahmen des Rheingau Musik Festivals (RMF) in der Basilika im Zisterzienser-Kloster Eberbach. Der Beiname „Credo-Messe“ bezieht sich auf die besondere Betonung des „Credo“-Rufs.

Dieser wiederholte Ruf wird dann, den Text des Glaubensbekenntnisses unterbrechend, nach jedem Glaubenssatz erneut eingeschoben. Diese Art der Textbehandlung des Credo geht auf ältere Vorbilder zurück, die im ausgehenden Barock geschaffen wurden. Die Credo-Messe wurde am 17. November 1776 im Salzburger Dom uraufgeführt. Anlass war die Weihe des Salzburger Domherren Ignaz von Spaur (1729–1779) zum Bischof. Spaur war seit 1755 Domherr zu Salzburg und seit 1763 Kanonikus in Brixen gewesen. 1776 trat der Domherr das Amt des Bistumskoadjutors von Brixen an - mit zugesicherter Bischofsnachfolge.

Zu diesem Fest hatte Mozart eine neue Messe geschaffen. Einerseits erklärt sich dieser Vorgang durch die Ämter Leopolds und Wolfgang Amadés am Salzburger Hof als Kapell- bzw. Konzertmeister. Andererseits durch die freundschaftliche Beziehung der beiden zu Graf Ignaz von Spaur. Es sollte gut 200 Jahre dauern, bis das Notenmaterial 2007 als das der Uraufführung erkannt wurde. Für die findige Musikwissenschaftlerin Hildegard Herrmann-Schneider war das Rätsel um die Identifizierung der „Spaur-Messe“ damit in doppelter Weise gelöst: Zum einen belege die Brixener Quelle größtmögliche Authentizität. Auch werde deutlich, dass Leopold und Wolfgang Amadé in den Stimmen ungewöhnlich viele eigenhändige Eintragungen vorgenommen hätten.

Sie beträfen vor allem penible aufführungspraktische Anweisungen wie Dynamik und Artikulation. Da es in Brixen keine weitere Notenkopie von ähnlicher Konsistenz gegeben habe, müsse die Kopie auf singuläre Weise aus Salzburg hierher gelangt sein. Mit ziemlicher Sicherheit habe Graf Ignaz von Spaur diesen Transfer selbst bewerkstelligt, als er 1776 auf Dauer von Salzburg nach Brixen übergesiedelt sei und "seine" Messe wohl einerseits zum Andenken, andererseits für eine mögliche Aufführung in Brixen schlicht „mitgenommen“ habe. Dass davon in den in den nächsten Jahrhunderten unter anderem auch Knabenchöre stärker von Mozarts authentische Klangkultur profitierten, ist selbstredend.

Nicht nur unter aufführungsästhetischen Gründen und Verbreitungsaspekten ist dem Rheingau Musik Festival und seinem Management hoch anzurechnen, dass es neben der neu entdeckten Frische der Credo-Messe die oft überzogene öffentliche Kritik der letzten Jahre an den Knabenchören entschlossen hintanstellte und – die kirchlichen Räume und sakralen Bühnen öffnete. Der Windsbacher Knabenchor singt im Rahmen des Rheingau Musik Festivals (RMF) Mozarts Credo-Messe am Sonntag am 31.7.2022 um 19 Uhr im Kloster Eberbach, Eltville am Rhein, Basilika. Karten- und Infotelefon 06723 / 602170.

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